How to…(II): Wie reagiere ich auf die Frage „Du studierst doch Jura?!“

13 Nov

Liebe Erstsemestler, willkommen im Club! Kaum mit dem Jurastudium angefangen, wird man im Freundes- und Bekanntenkreis als Experte für sämtliche Rechtsfragen gehandelt.

Die erste Reaktion auf die Einstiegsfrage „Du studierst doch Jura?!“ sollte – wahrheitsgemäß – ein souveränes „Ja!“ sein. Damit beginnt die vom Gesprächspartner eigentlich beabsichtigte Rechtsberatung allerdings erst. Vom Fernseher („den hab ich grad erst bei ebay gekauft“) über den Baum an der Grundstücksgrenze mitsamt Überhang („dürfen die (Nachbarn, Anm. d Verf.) das?!“) bis hin zum Strafrecht im Allgemeinen – zu Zeiten von U-Bahn-Schlägern auch gerne Jugendstrafrecht im Besonderen – kann sich nun eine unüberschaubare Vielzahl an Rechtsproblemen anschließen. Mit Beginn des Jurastudiums muss man sich auf diese Fragen einstellen.

Empfohlen sei als Reaktion ein kurzes Durchatmen, um dann – je nach Rechtsfrage – ein strukturiertes Rantasten an das eigentliche Problem. Grundsätze erklären (aufgepasst: hinsichtlich U-Bahn-Schlägern wird das Gegenüber meist nicht sonderlich empfänglich für den Erziehungsgedanken des Jugendstrafrechts sein…). Wenn gerade keine passende Antwort parat ist (Hey, erstes Semester!), sollte man es ehrlich mit einem „Ich weiß es nicht, könnte mir aber mit Blick auf … vorstellen, dass es … funktioniert“ auffangen. Handelt es sich allerdings um sehr spezielle und tiefschürfende Fragen, sollte man aus seiner eigenen Ratlosigkeit keinen Hehl machen. Denn: Mit Zahnschmerzen geht ja auch niemand zum Gynäkologen. Achja, die Kollegen aus der Medizin kann es im Partysmalltalk durchaus härter treffen: Nach der Frage „Du studierst doch Medizin?!“ wird manches Mal unmittelbar ein akut schmerzendes Körperteil entblößt. Da ist mir die defekte Waschmaschine mitsamt den Ansprüchen aus Kaufvertrag durchaus lieber, als mit dem nackten Hinterteil samt jeweiligem Zipperlein konfrontiert zu werden.

In diesem Sinne: „Du studierst doch Jura?!“ sollte keine Angst vor der Anschlussfrage auslösen! 😀

Die Rubrik „How to…“ erscheint in loser Folge.
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8 Antworten to “How to…(II): Wie reagiere ich auf die Frage „Du studierst doch Jura?!“”

  1. Christian Michel 13. November 2011 um 09:22 #

    Nicht zu vergessen, dass die von Anfang an überhöhte Erwartungshaltung fortan nur noch wächst. „Du bist doch Jurist“, heißt für viele: „Du musst doch alle Paragrafen auswendig kennen und für jedes noch so abseitige Thema eine Antwort parat haben. Außerdem muss diese Antwort absolut sicher sein, es dürfen sich keine Zweifel ergeben, weil doch das deutsche Recht auf jede Frage eine unumstößlich richtige Antwort gibt.“

  2. anna 13. November 2011 um 11:55 #

    Oh, kommt mir das bekannt vor… 😉

  3. Thomas Reis 13. November 2011 um 12:05 #

    Ja, das kennen wohl alle angehenden Juristen zur Genüge. Und es ändert sich – vorausgesetzt man bleibt bei seiner Wahl des Studienfachs – im Berufsleben nur in Nuancen. Da heißt es dann immer: „Du bist doch Anwalt!“ Wohlgemerkt treffen die Leute diese Aussage vollkommen unabhängig davon, welchen Beruf man tatsächlich ausübt. Juristen sind offensichtlich automatisch Richter oder Anwalt, Perry Mason und Ally McBeal sei Dank.

    Ein gutes hat es allerdings, ständig im Kreuzfeuer der lieben, gern auch mal zur fortgeschrittener Stunde nicht mehr ganz nüchternen Verwandtschaft oder Bekanntschaft zu stehen: Der eigene Diskussionsstil wird geschult. Man lernt den Umgang mit einem Gegenüber, das ein Thema ohne Kenntnis der zugehörigen rechtlichen Grundlagen, dafür aber um so emotionaler diskutiert.

    Also liebe Erstsemester, keine Angst vor Familienfeiern, sie können auch ein Zusatzseminar sein!

  4. Thomas B. 13. November 2011 um 14:32 #

    Meine Gegenfrage ist stets: „Würdest du dich von einem Medizinstudenten operieren lassen?“:)

    • CM 13. November 2011 um 18:46 #

      Clever, Thomas B.!

  5. nullfuenfdrei 13. November 2011 um 18:24 #

    Ich hoffe als Nicht-Student hier trotzdem schreiben zu dürfen…
    Das ist nicht nur bei Studenten der Fall, sondern auch in Berufen des „einfachen Volkes“.
    Ich bin Bäckergeselle und meine Eltern kamen im dritten Monat meiner Lehre auf die grandiose Idee, einem befreundeten Paar eine dreistöckige Torte zur Hochzeit, von mir produziert, anzubieten. Auf Nachfrage des Paares, ob ich das denn überhaupt schon kann, antworteten sie lässig „Klar, er lernt das schließlich“…
    Ich konnte das Missverständnis rechtzeitig aufklären. Meine Eltern hielten Bäcker und Konditor schlicht für „nicht so wirklich unterschiedlich, da wir doch die gleiche Arbeitskleidung tragen“.
    Meine erste Torte (von insgesamt 5 in 16 Jahren Lehre und Beruf) fertigte ich erst im dritten Lehrjahr, als Pflichtteil in der Abschlussprüfung. Schließlich lernte ich Bäcker, nicht Konditor. Selbst wenn ich Konditor gelernt hätte, wär eine dreistöckige Torte unmöglich gewesen im dritten Monat der Lehre.

  6. Paddy 13. November 2011 um 18:43 #

    Es gibt doch eigentlich die Universalantwort auf nahezu Alles: ES KOMMT DRAUF AN 🙂

  7. Nicolas Heym 14. November 2011 um 00:36 #

    Ich konsultiere auch im weiteren Verlauf grundsätzlich nur befreundete Anwälte, die mir im privaten Rahmen schon profund weitergeholfen haben. Zum Glück gibt es diese kompetenten Menschen, und ich genieße ihre Gegenwart, den Sachverstand und ihren Humor. Es sind für mich wertvollste Mitglieder der Gesellschaft, denn sie haben den Streit kultiviert. Ich muss mich nicht mehr selbst streiten, sondern übertrage die Wahrnehmung meiner Interessen auf Profi-Streiter gegen entsprechendes Honorar, welches ich nur zu gern entrichte, um fern von jeglichem Ärger leben zu können. Es ist positiv erstaunlich, dass es die Menschheit zu solch salonhafter Streitkultur gebracht hat.

    Das Gejaller von Leuten, denen es ständig darum geht, auch im Vorfeld bloß keine „Gratis-Rechtsberatung“ geben zu müssen, empfinde ich als Geräusch. Solche Leute fallen aus meiner Wahrnehmung heraus und spielen in gehobenen Kreisen zum Glück auch niemals eine Rolle.

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